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Nach der ersten Veranstaltung legte ich mir erst einmal einen Ordner an und versuchte mir einen Überblick über die Dokumente in Ilias zu verschaffen. Auf dem Weg nach Basel am Freitagabend las ich dann noch das Nähmaschinendossier und auf dem Rückweg Samstagvormittag den Buchauszug von "klein-kariert". Immer mal wieder zwischendurch versuchte ich am Arbeitsjournal weiterzuarbeiten. Da ich nach der ersten Veranstaltung keine Idee für ein Utensilo hatte, schaute ich erst einmal einige Youtube-Videos an. Dort sah ich verschiedene Varianten, wie man ein Utensilo nähen könnte. Manchmal wurde mit zwei rechteckigen Stoffstücken begonnen, bei denen dann die Ecken abgenäht wurden und dann der überschüssige Stoff abgeschnitten wurde. Bei Anderen wurden aus den Rechtecken bereits Quadrate ausgeschnitten, so dass man nach dem Abnähen die Ecken nicht mehr abschneiden musste. Ich habe mich dann für die Version entschieden, wo die Quadrate schon von Beginn an ausgeschnitten waren (siehe Bild). Dann musste ich mich ja noch für eine Funktion entscheiden. Da ich als langjähriges Hobby das Gitarrenspiel pflege, dachte ich mir, dass ich allerlei Kleinutensilien im Utensilo verstauen könnte, z.B. Kapodaster, Plektren, Ersatzsaiten, Headstock Tuner, Gehörschutz etc. Wo jetzt also die Funktion klar war, ergab sich daraus auch die Farbauswahl der Stoffe. Da ich hauptsächlich rote E-Gitarren besitze und mein Verstärker mit schwarzem Tolex bespannt ist, fiel meine Farbwahl auf rot fürs Innenteil und schwarz fürs Aussenteil. Die Masse legte ich mit 10x10x12cm fest, weil es erstens für Kleinmaterialien sein soll, und zweitens, damit ich es leichter im Zug transportieren kann. Einen Verschluss habe ich nicht eingeplant, es soll ein offenes Gefäss bleiben. Da eine meiner Bands «Breiti & the BIG easy Gators» heisst, entschied ich mich für einen relativ starken Stoff mit einer Alligatorprägung. Fürs Innenteil fand ich in der Stoffsammlung meiner Schule einen relativ weichen roten Stoff, um den Inhalt des Utensilos schön weich zu lagern. Jetzt war ich erleichtert. Endlich waren die Gestaltungsentscheidungen getroffen und es ging jetzt «nur noch» ans Nähen. Allerdings habe ich gemerkt, dass ich schon gut 30 Jahre nicht mehr an der Nähmaschine gesessen bin. Meine Skills waren schon ziemlich eingerostet, und gewisse Features gab es bei den «alten» Nähmaschinen noch nicht. Aber mit jeder Naht wurde ich ein wenig sicherer. Nur den Anfang der Nähte hat es mir immer ein wenig komisch gemacht. Ich muss mal die Dozentin fragen, ob es da einen Trick gibt, dass es den Unterfaden nicht so zusammenwurstelt… Ich bin nach einer Anleitung von Pattydoo vorgegangen und habe entsprechend zuerst den Innenteil und dann den Aussenteil genäht. Weiter wollte ich auch nicht nähen, denn ich wollte das Utensilo nicht komplett an der Schule nähen, sondern auch noch einen Teil in der Veranstaltung machen. Hier mal ein paar Fotos vom aktuellen Stand: Wie oben schon geschrieben habe ich versucht meinen Designprozess auch im Journal zu dokumentieren. Ich finde aber die Dokumentation im Blog hier fast einfacher, ich weiss aber nicht, ob das auch in Ordnung ist. Ich muss mal nachfragen. Vielleicht kann ich einen Teil analog und einen Teil digital machen.
Morgen ist dann die zweite Veranstaltung. Ich hoffe, dass die Dozentin einigermassen zufrieden ist mit dem, was ich in dieser Woche gemacht habe. Mit einem 80% Unterrichtspensum und einem 4-köpfigen Haushalt im Hintergrund bleibt einem nicht mehr allzu viel Zeit übrig… naja, wir werden sehen.
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Am 23.09.2021 startete ich 27 Jahre nach Beginn meines Erststudiums mein Facherweiterungsstudium "Design und Technik" an der PH Zürich. War schon ein komisches Gefühl, so als einer der Ältesten auf dem Hochschulcampus rumzustehen...
In der ersten Veranstaltung ging es natürlich zuerst einmal um viel Organisatorisches. Modularbeiten, Leistungsnachweise, SOL-Aufträge etc. Bereits im Laufe der ersten Minuten kristallisierte sich dann heraus, dass das Studium nicht - wie von vielen erhofft - massiv mehr Gewicht auf das Technische Gestalten legt (wir hatten bei Anmeldung einen Schwerpunkt angeben müssen), sondern dass mehr oder weniger in gleichen Teilen sowohl Textiles als auch Technisches Gestalten belegt werden muss. Das war für einen Kursteilnehmer dann schon zuviel des Guten und er verabschiedete sich vom gerade erst begonnenen Studium. Ich gebe zu, dass es mir ähnlich erging und dass ich auch einen sofortigen Absprung in Erwägung zog. Allerdings führt halt kein Weg daran vorbei: Wenn ich die Lehrbefähigung für Technisches Gestalten haben möchte, dann gehört halt heute auch Textiles Gestalten dazu. Und wer weiss: Vielleicht werde ich ja noch begeisterter Textiles-Gestalten-Lehrer :-). Immerhin habe ich ja meine Ehefrau übers Stricken eines Schals kennengelernt. Man weiss also nie, wozu es noch gut sein wird. Im Kurs ging es dann um das Arbeitsjournal, bei dem im Wesentlichen alle Gedanken im Designprozess festgehalten werden. Da ich weder gut zeichnen noch schön schreiben kann, fällt mir das Dokumentieren von Ideen recht schwer. Mal schauen inwieweit ich mich da weiterentwickeln kann. Weiter ging es mit einem Postenlauf über Kompetenzbereiche und Themenaspekte im Gestaltungsprozess. Dabei konnten wir diverse Stationen ein wenig genauer unter die Lupe nehmen. Ich habe mich hauptsächlich im Bereich "Prozesse und Produkte" bewegt, wo Posten mit Aufgaben zu den Bereichen "Funktion", "Konstruktion", "Gestaltungselement", "Verfahren" sowie "Material, Werkzeuge und Maschinen" bereit lagen. Leider reichte die Zeit bei weitem nicht, um auch nur einen Teil der Aufgaben auch nur annähernd bearbeiten zu können, aber das war glaub auch nicht der Sinn des Ganzen. Es war mehr ein Hineinschnuppern in die Prozesse, die beim Design eines Textilen Produkts eine Rolle spielen. Als nächstes bekamen wir die Aufgabe, aus Papier ein Behältnis zu basteln, so dass am Boden eine handelsübliche Tafel Schokolade genau hineinpasst (die Schokolade durfte später vernascht werden ;-)). Als wir das geschafft hatten machten wir uns Gedanken, wie man das Ganze nun textil lösen könnte, d.h. wir entwickelten eine Art Schnittmuster, nach welchem wir dann unser Behältnis - ein sogenanntes "Utensilo" - nähen würden. Danach wurde es konkret und ich bekam zum ersten Mal richtig Mühe. Wie schon beim Gitarrenbau vor zwei Jahren hatte ich das Problem mich bei den Gestaltungspunkten festlegen zu müssen. Damals war es die Auswahl der Hölzer, die Gestaltung des Schallloches, die Gestaltung des Bindings/Purflings usw. Ich bin jemand der gerne Dinge baut. Wenn mir jemand sagt: "Mach es rot", dann mache ich es rot. Oder wenn mir jemand sagt: "Mach es rund", dann mache ich es rund. Aber wenn mich jemand fragt, wie es aussehen soll, dann habe ich oft keine Idee. Dieses Mal musste ich mich entscheiden, für welchen Zweck ich ein Utensilo nähen würde. Meine Nachbarn schienen alle sofort eine Idee zu haben: Eine wollte eine Hülle fürs Notebook machen, ein anderer wollte ein Utensilo als Buchhülle nähen usw. Alle begannen wie wild an zu zeichnen, nur ich konnte mich nicht festlegen. Dasselbe dann mit der Stoffauswahl: Aus der Menge an bereitliegenden Stoffen konnte ich mich nicht festlegen, so dass ich letztendlich ohne Idee und ohne Stoff aus der ersten Veranstaltung lief... :-( |
AutorMatthias Winghardt, Jahrgang 1973, arbeitet als Lehrer in Rapperswil-Jona, CH. Archiv |