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In den letzten 2 Wochen waren Ferien :-) Zuerst habe ich noch meine beiden Portemonnaies fertiggestellt. Ich habe beiden einen Druckknopf spendiert. Die Druckknöpfe aus Plastik nennen sich anscheinend heutzutage Kam Snaps… neumodisches Zeugs 😉. Das Anbringen ist kinderleicht. Ein Loch mit einer Art Ahle durch den Stoff stechen, dann ein Teil von der einen Seite durchstecken, das Gegenteil auf der anderen Seite draufstecken und dann mit einer speziellen Zange die beiden Teile zusammenpressen. Ich habe zuerst ein Probestück gemacht, und dann die beiden Portemonnaies mit Kam Snaps versehen. Dann habe ich mich mit der textilen Materialkunde auseinandergesetzt und viel über diverse Fasern, Garne und textile Flächen gelernt. Ich habe auch viel übers Spinnen und Weben gelernt, verschiedenste Bindungen beim Weben angeschaut etc. Am liebsten hätte ich das mal ausprobiert, aber ein Spinnrad und einen Webstuhl zu kaufen fand ich dann doch etwas übertrieben. Das Weben ist ja schon eine Wissenschaft für sich. Wie man z.B. auf die Idee kommt, mittels Lochkarten einzelne Kettfäden anzuheben (bei der Jacquard-Webmaschine), Wahnsinn!! Bezüglich der Fasern dachte ich, dass ich mich hauptsächlich mit Baumwolle und Polyester beschäftigen werde, weil das die wohl am meisten eingesetzten Fasern weltweit sind. Aber dann bin ich auf ein Video gestossen, dass sich mit Cellulose basierten Chemiefasern beschäftigt. Hauptsächlich ging es ums Thema Viskose/Modal/Lyocell und wie nachhaltig solche natürlichen Chemiefasern sind. Da solche Cellulose basierten Chemiefasern als Ausgangsstoff Holz verwenden, scheinen sie auf den ersten Blick ja super umweltfreundlich und nachhaltig zu sein, denn Holz wächst ja nach und die Bäume brauchen im Vergleich zu Baumwolle viel weniger Wasser und kaum Pestizide. Dass aber beim Herstellungsprozess von Viskose Natronlauge, Schwefelsäure und Schwefelkohlenstoff eingesetzt werden, macht die Viskose dann relativ schnell nicht mehr so umweltfreundlich. Dasselbe gilt für die etwas modifizierte Viskose namens Modal. Was ich dann spannend fand war das Verfahren der Firma Lenzing in Österreich, welche den Zellstoff aus dem Holz mit einem anderen, relativ unproblematischen Lösungsmittel, welches zu 99.8% immer wieder weiterverwendet werden kann, herauslösen kann. Die Faser, die dabei entsteht, nennt sich dann Lyocell oder Tencel. Ich bin gespannt, ob diese Faser sich in Zukunft durchsetzen wird. Ausserdem habe ich noch ein wenig an meinem Moodboard gearbeitet, hier noch der aktuelle Stand… Am Donnerstag ist dann die vierte Veranstaltung. Ich bin gespannt 😊.
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Gestern war die dritte Veranstaltung. Es ging dabei hauptsächlich um die Vorbereitung des Leistungsnachweises. Wir mussten uns für ein textiles Gefäss entscheiden, bei mir war das das Stiftetui, das ich ja in der letzten Woche bereits genäht hatte. In den nächsten Wochen wird es jetzt darum gehen, dieses Stiftetui im Rahmen eines Durchlaufs eines Designprozesses zu entwickeln. Dazu erhielten wir ein Dokument mit diversen Aufgaben, die in solch einem Prozess zu durchlaufen sind. Ich habe dann bei Aufgabe 1 begonnen und mich versucht so weit wie möglich durchzuarbeiten. In einem Gespräch mit Karin, unserer Dozentin, sagte sie mir, dass ich nicht zweimal dokumentieren müsse, für sie reiche es, wenn ich im Rahmen des Blogs dokumentiere. Da ich nun aber schon ein paar Seiten im Heft geschrieben habe, weiss ich noch nicht, wie ich weiterfahren werde. Momentan tendiere ich dazu den Leistungsnachweis in einem separaten Blog zu machen, so dass dieser Blog nicht allzu «technisch» wird und eher den generellen Ablauf meiner Ausbildung dokumentiert. Nach einer witzigen praktischen Aufgabe, wie man von einer bestehenden Verpackung auf ein Schnittmuster kommen könnte, ging es bei mir dann um den Punkt Moodboard. Da dies für mich etwas völlig Neues ist, führte ich diverse Gespräch mit Karin und anderen Mitstudierenden, und so langsam scheine ich zu verstehen, worum es da geht. In den folgenden Ferientagen werde ich mal versuchen so ein Moodboard zu kreieren, allerdings vom Denken her eher rückwärts gedacht, denn für den Stoff, den ich fürs Etui verwenden möchte, musste ich mich ja schon entscheiden. Eigentlich soll so ein Moodboard ja letztendlich bei der Farbwahl helfen. Heute habe ich mal die Materialien, die ich gestern mitgenommen habe auf den Tisch gelegt, so als Mini-Moodboard zum Start: Gestern Abend hatte ich dann aber doch noch Lust zu produzieren. Vor ein paar Tagen hatte ich versucht ein kleines Portemonnaie zu nähen. Das ging relativ gut, aber der Stoff (Kunstleder) war letztendlich zu dick, so dass es am Ende beim Nähen (6 Lagen Kunstleder) eher mühsam wurde. Als Zugabe riss mir dann beim Wenden noch der Daumennagel so saublöd ein, dass ich die abschliessende Naht um den «Deckel» herum nicht mehr wirklich schön gemacht habe. Dies wollte ich jetzt noch ein wenig besser machen. Zuhause lag noch so ein gepunkteter Stoff herum, der mir geeignet erschien. Diesen habe ich für alles was innen liegt verwendet. Für den Aussenstoff habe ich wieder das Kunstleder vom letzten Mal verwendet. Dieses Mal ging es besser, aber wieder beim letzten Schritt (das knappkantige Absteppen zum Verschliessen der Wendeöffnung) habe ich es vermasselt. Ich wollte unbedingt (warum eigentlich???) den kompletten Deckel herum absteppen, aber der Anfang und Schluss ist mir wieder nicht gelungen, weil es dort halt so dick wird. Jetzt muss ich wohl noch ein drittes Mal ran. Aber nicht mehr heute 😉. Diese Woche habe ich mich an die «Textile Materialkunde» gemacht. Dazu gibt’s ein Lernobjekt im Ilias, das habe ich mal gestartet, und dann ging es gleich mal los mit den verschiedenen Fasern. Von Naturfasern (Baumwolle, Flachs, Hanf) über Wolle (immer von Schafen!) über Haare (von allen anderen Tieren) zu den natürlichen Chemiefasern (aus Holzfasern hergestellt) und schliesslich den synthetischen Chemiefasern (basierend auf Erdölprodukten). Da gab es ganz schön viel zu Lernen und ich habe mir die ganzen Youtube-Videos dazu angeschaut. Weiter als bis zu den Fasern bin ich aber nicht gekommen. Da ich nicht gerne am Bildschirm lese, habe ich mir die zum Lernobjekt zugehörige pdf-Datei ausgedruckt. Das waren mehr als 300 Seiten!!! Aus diesen Seiten wurden dann zwei schöne rote Ordner. Weil ich gerade so schön am Ordner machen war, habe ich auch gleich noch einen gelben Ordner zum Nähen mit der Nähmaschine gemacht. Jetzt habe ich nach 2 Veranstaltungen 4 Ordner. Wenn das so weitergeht… uiuiuiiii… Dann habe ich die Dokumente zur Geschichte des Reissverschlusses durchgelesen und den Bericht über die Modedesignerin angeschaut. Schon interessant wie diese kreativen Leute arbeiten. Das mit dem Moodboard ist schon ganz schön abgefahren… Gestern habe ich dann mein nächstes Nähprojekt gestartet. Da ich ja ein Stiftetui machen wollte, habe ich mich in der Schule umgesehen und einen coolen «Metall»-Stoff gefunden. Dazu habe ich mir einen passenden schwarzen Endlosreissverschluss ausgesucht und einen schwarzen Schieber dazu. Das Schnittmuster hatte ich dieses Mal von Kreando. Das Nähen ging flott von der Hand, und auch das Nähen des Reissverschlusses war eigentlich gar kein Problem. Das Schwierigste war wohl das Einfädeln des Schiebers, aber mit ein wenig Übung gelang das auch. So hatte ich nach ca. einer Stunde mein erstes selbst genähtes Stiftetui in der Hand. Cool 😊. Heute Abend versuche ich mal mein Arbeitsjournal zu füllen, aber irgendwie weiss ich da nicht so recht, was ich da reinschreiben soll… Das ist so ein Ding, mit welchem auch unsere Schüler bei der Selbständigen Projektarbeit immer Mühe haben. Jetzt verstehe ich warum…
Zum Abschluss noch etwas völlig Anderes: Vor ein paar Jahren hatte ich ja einen Cadillac Seville, ich war also der "Caddy-Daddy" (wie einige Kollegen mich an der Schule nannten). Jetzt werde ich wohl zum... Gestern war die zweite Veranstaltung. Ich hatte mich ein wenig verrückt gemacht nach der ersten Veranstaltung und hatte fast schon schlaflose Nächte, weil ich erst einmal alles gedanklich sortieren musste. Ausserdem hatte ich immer im Hinterkopf, dass das Utensilo bis zur zweiten Veranstaltung fertig werden sollte. Gestern hat sich (Gott sei Dank) einiges relativiert. Einige Kursteilnehmer hatten noch nicht einmal ein Schnittmuster geschweige denn den Stoff zugeschnitten. Und ich hatte ja letzte Woche bereits den Innen- und den Aussenteil genäht. Deswegen war ich sehr beruhigt und erleichtert, so dass ich mich dann in der Veranstaltung aufs Fertignähen des Utensilos konzentrieren konnte. Ich schloss noch die obere Naht ab, liess eine Wendeöffnung offen. Das Wenden ging erstaunlich gut, ich hatte ja Bedenken gehabt wegen dem etwas störrischen Alligator-«Stoff». Anschliessend habe ich die Wendeöffnung verschlossen, indem ich schmalkantig abgesteppt habe. Dazu habe ich den Blindstichfuss verwendet. Dies ging erstaunlich gut. Und dann war mein Utensilo auch schon fertig. Hier ein paar Fotos… Da ich nun viel Zeit hatte, widmete ich mich dem Nähmaschinenkurs («Verfahren und Maschine»). Hier habe ich zuerst den Nähmaschinen-Führerausweis gemacht. Das hat unheimlich Spass gemacht. Man musste hier verschiedene Linien auf Papier nachnähen, zunächst ohne Faden, später dann mit Faden. Anschliessend half ich noch den anderen Kursteilnehmern ein wenig bei ihrem Utensilo, bevor ich mich dann ans Herstellen der Stoffmuster für den Nähordner machte. Ich erstellte ein paar Muster, wo ich verschiedene Stichlängen, verschiedene Zickzackstiche und verschiedene Nähtiefen ausprobierte (füsschenbreit, 1cm, 1.5cm). Zum Schluss durfte jeder Kursteilnehmer noch sein Utensilo präsentieren. Insgesamt bin ich mit meinem Utensilo sehr zufrieden. Dafür, dass ich mindestens 30 Jahre nicht mehr genäht habe, ging es erstaunlich gut. Nur zum Schluss habe ich einen Fehler eingebaut, indem ich beim schmalkantig absteppen eine zu kurze Stichlänge eingestellt hatte und der Alligatorstoff jetzt ein wenig ausgerissen ist. Wenn man die obere Kante aber umklappt, dann sieht das auch keiner mehr 😉. Bei der Präsentation habe ich auch noch den von mir gezeichneten Spulenhalter für die neuen Bernina «College Edition» Nähmaschinen vorgestellt. Dieser wurde im Rahmen eines 3D-Druck Kurses dann auch ausgedruckt. Jetzt habe ich dann Herbstferien. Dort habe ich Zeit und werde schonmal mit der Aufgabe zum Leistungsnachweis experimentieren. Ich werde auf jeden Fall ein Stifte-Etui machen, da ich seit meiner Studentenzeit keins mehr habe. Mal sehen für welche Stoffe, Reissverschlüsse und sonstige Details ich mich entscheiden werde. Ich bin gespannt, und so langsam fängt es an mir richtig Spass zu machen :-)
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AutorMatthias Winghardt, Jahrgang 1973, arbeitet als Lehrer in Rapperswil-Jona, CH. Archiv |