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Blog iWB2019 Edinburgh

Tag 19: Language School, Burke and Hare

26/4/2019

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Der heutige Tag begann mit einem kleinen Schock. Nicht nur liess mich mein polnischer Kollege mal wieder alleine im Englischkurs sitzen, nein, meine Englischlehrerin teilte mir auch noch mit, dass sie gekündigt habe und dass heute ihr letzter Tag sei. D.h. ich werde am kommenden Montag einen neuen Lehrer bekommen. Schauen wir mal, wer für Anna kommt. Momentan sind kaum Schüler an der Language School, anscheinend sei der Brexit der Hauptgrund. Keiner weiss, wie das Vereinigte Königreich in Zukunft an Europa angeschlossen sein wird, deswegen sind viele junge Europäer unsicher, ob sie eine Karriere in Grossbritannien anstreben sollen oder nicht. Praktisch alle Sprachschulen in Schottland seien momentan quasi leer, während die Sprachschulen in der Republik Irland randvoll seien... tja, der liebe Brexit... und jetzt geht diese ganze Unsicherheit noch bis Ende Oktober, oder vielleicht noch länger. Deswegen möchte die schottische Regierungschefin jetzt ein zweites Referendum für eine Unabhängigkeit Schottlands initiieren. Schauen wir mal, ob es soweit kommt. Westminster ist zumindest schonmal dagegen.

Am Nachmittag begab ich mich dann auf die Spuren von Burke and Hare, zwei Ganoven, die um 1820 herum in Edinburgh ihr Unwesen trieben. Die Universität von Edinburgh war damals weltweit führend im Bereich der Anatomie des menschlichen Körpers. Die Gesetze von damals verboten aber, dass mehr als eine Leiche pro Jahr seziert werden durfte. Das war natürlich blöd für die Wissenschaftler. Deshalb bezahlte ein gewisser Dr. Knox relativ viel Geld, wenn ihm jemand eine menschliche Leiche besorgte.  Da es genügend arme Leute in Edinburgh gab, denen es egal war, wie sie zu Geld kamen, begannen gewisse Leute nachts frisch beerdigte Leichname wieder auszugraben und sie dann an Dr. Knox zu verkaufen. Deswegen findet man auf gewissen Friedhöfen Wachtürme oder Gräber mit Gittern darüber. Die Herren Burke und Hare gingen einen Schritt weiter. Kurz gesagt haben sie sich das Ausgraben sparen wollen und haben Leute direkt umgebracht und dann an Dr. Knox verkauft. Das ging dann ein gutes Jahr gut, bis sie endlich geschnappt wurden. Hare sagte gegen Burke aus und blieb dadurch straffrei und Burke wurde gehängt. Sein Leichnam wurde auch zur Dissektion freigegeben und sein Skelett ist heute noch in einem Museum in Edinburgh ausgestellt. Aus Teilen seiner Haut wurden Notizbücher eingefasst und in einem skurilen "Museum", welches das Finale des heutigen Multicaches darstellte,  findet man ein "calling card case", welches auch aus der Haut von William Burke hergestellt wurde. Laut der Besitzerin des Caches war eine calling card eine Karte, die man von der Strasse aus einem Angestellten einer Familie in die Hand drückte, während man in seiner Kutsche wartete. So konnte der Empfänger der Karte entscheiden, ob er den Gast auf der Strasse empfangen wollte oder nicht.

So, jetzt geht's also los. Der Multicache startete auf einem Friedhof, wo eben zu dieser Zeit Gräber nachts ausgeräumt wurden, um die Uni mit frischem Material zu versorgen. Ich musste das Grab der Familie Neilson finden und dort einige Zahlen vom Grabstein ablesen.
Die zweite Station war beim Grassmarket. Dort hatte die Frau von Mr Hare ihr Gasthaus, in welchem später die meisten Morde begangen wurden. Später war dann die Heilsarmee dort drin und heute ist es das Kickass Hostel ;-) Hier musste ich auf dem Gedenkstein wieder eine Jahreszahl ablesen.
Die erste Leiche, die Burke und Hare an Dr. Knox lieferten, war ein Gast von Mrs Hare, der während seines Aufenthaltes starb. Er schuldete Mrs Hare aber noch Geld. Um dieses Geld zurückzubekommen, verkaufte Hare die Leiche an Dr. Knox. An der dritten Station, heute ein Geschäft für Porzellanwaren neben dem National Museum of Scotland, fragten Burke und Hare einen Studenten, wo sie die Leiche abliefern könnten. Sie wurden dann weitergeschickt zum Surgeons' Square. Ich musste hier lediglich die Hausnummer ablesen... easy...
Weiter ging's an Station 4, dem Surgeons' Square, der inmitten eines Universitätsviertels liegt. Wahrscheinlich lauter Chirurgen, die Leichen sezieren... hier fand ich das Haus, in dem Dr. Knox wahrscheinlich seine Dissektionen vor Publikum vornahm. Hier musste ich wieder gewisse Zahlen von der Informationstafel entnehmen.
Station 5 war dann eine Kneipe am Cowgate, einer Strasse unterhalb der Royal Mile, wo sich früher - und wahrscheinlich auch heute noch - die armen Leute ihr Leid weggesoffen haben. Dort haben Burke und Hare ihre Opfer - meist Auswärtige, die niemand kannte und deswegen dann auch nicht vermisst wurden - abgefüllt und später in der Herberge von Mrs Hare umgebracht. Auch hier musste ich wieder auf einer der vielen Tafeln gewisse Zahlen finden...
Die 7. und letzte Station war dann wieder oben auf der Royal Mile, und zwar dort, wo heute die Scottish Central Library steht. Irgendwo dort in der Nähe wurde Burke nach seiner Verurteilung gehängt. Auch hier hatte es eine Gedenktafel, auf der ich wieder eine Zahl ablesen musste...
So, jetzt hatte ich endlich alle Zahlen beinander und konnte mich auf die Suche des Endpunktes machen...
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Die Koordinaten führten mich zum wahrscheinlich kleinsten Museum der Welt, denn dieses Museum hat nur ein einziges Exponat: Oben besagtes "calling card case", hergestellt aus der Haut von William Burke... gruselig.
Danke an Abi (aka evilrooster) fürs Erschaffen dieses schönen Multicaches. Ich hatte einen wunderbaren Spaziergang und habe eine weitere Geschichte über die dunklen Seiten Edinburghs kennen gelernt :-) Damit ich den Cache loggen durfte, musste ich ihr schreiben, was sich am Zielort befindet. Sie hat mir dann die Erlaubnis zum Loggen erteilt und gleichzeitig noch erklärt, was genau eine calling card ist. So, das war jetzt viel heute... macht's gut und bis morgen :-)
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    Matthias Winghardt, Jahrgang 1973, arbeitet als Lehrer in Rapperswil-Jona, CH.

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