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Gestern war ich den kompletten Tag bei Herrn Schöbi in der Werkstatt. Dass es so schwierig werden würde, hatte ich nicht erwartet... doch der Reihe nach: Als erstes nähte ich die Sitzfläche an die Randflächen. Zuerst normal rechts auf rechts nähen, 1cm Nahtzugabe. Danach 4mm rechts der Naht nochmal abnähen, beide Nahtzugaben unten nach rechts geklappt. Dadurch entsteht die bei Lederpolstermöbeln typische Naht: Danach ging es daran, den Deckel zu polstern. Der fertig genähte Bezug muss über das vorbereitete Holz-Schaumstoff-Konstrukt drübergezogen und dann auf der Unterseite erst einmal mit provisorischen Klammern festgetackert werden. Danach beginnt man den Stoff entlang der Kanten gleichmässig zu spannen. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Ich hatte zunächst zu wenig gespannt. Wenn man über das Polster drüberfährt, darf man keinen Stoff greifen können. Also alle Klammern mit dem Schraubenzieher wieder raus und nochmals tackern. Ich weiss nicht wieviele Versuche ich unternommen habe, aber das Ganze ordentlich und gleichmässig hinzubekommen ist wirklich schwierig. Mit Schülern - zumindest mit Kunstleder - nicht machbar. Herr Schöbi meinte, mit Schülern müsste man mit Stoff arbeiten. Er würde mir dann mit Ratschägen zur Seite stehen. Nach mehreren Versuchen war Herr Schöbi dann aber noch nicht ganz zufrieden, und nach dem Motto "So geht das nicht aus meiner Bude raus" legte er noch selbst Hand an und besserte das, was ich noch nicht so gut hinbekommen hatte, aus. Hier ein paar Bilder vom Prozess: Danach ging es an den Korpus. Der beim letzten Mal genähte Bezug wurde über den Schaumstoff (ohne Vlies) gezogen und dann oben über die Kante und unten am Boden befestigt. Hier ergab sich dasselbe Problem. Es ist unheimlich schwierig die richtige Spannung auf das Kunstleder zu bringen und das ganze dann möglichst faltenfrei festzutackern. Auch hier benötigte ich mehrere Versuche... Klammern rein, Klammern raus, in den Ecken Stoff rausschneiden, Klammern rein, Klammern wieder raus... zum Schluss legte Beat (mittlerweile hatten wir Duzis gemacht) nochmals Hand an, um das Ganze wieder auszubügeln. Hier auch wieder ein paar Fotos vom Prozess: Nun ging es daran die Unterseite fertig zu stellen. Zuerst Löcher anzeichnen: Hier gab es ein Missverständnis zwischen Beat und mir beim Anzeichnen der Fusspositionen. Ich hatte von der Holzkante gemessen und er hatte die Schaumstoffkante gemeint. Auf jeden Fall führte es dazu, dass ich vor lauter Zeichnen und Umzeichnen am Schluss bei einem Fuss an der falschen Stelle gebohrt habe und der Fuss nun einen Zentimeter verschoben ist im Vergleich zu den anderen. Im Bild ist es der vorne links. Jetzt müsste ich nochmals den Bezugstoff wegnehmen und mit einem 13er Metallbohrer nochmal bohren. Vielleicht lasse ich den Fuss aber auch als "Designelement", sozusagen als unverkennbares Markenzeichen, so wie er ist. Nach dem Anzeichnen und Bohren wurde der Bezugsstoff angetackert. Das ging relativ einfach im Vergleich. Einfach umschlagen und festtackern. Dann die Löcher suchen und mit der Schere einschneiden. Fuss draufsetzen und einschlagen. Fertig. Zum Schutz des Parketts zuhause habe ich dann aus einer Art Filz Gleiter ausgestanzt und mit Heissleim aufgeklebt. Nun kam noch der Deckel dran. Beim Deckel wollte ich ja noch Knöpfe einziehen. Dazu musste ich zuerst Knöpfe mit meinem Bezugsstoff beziehen. Zuerst wurden kreisrunde Scheiben aus dem Kunstleder ausgestanzt und dann mit einer Presse auf den Knopf gepresst. Das hat Spass gemacht :-) Beat hat noch ein Video von mir gemacht, welches ich aber momentan hier nicht hochladen kann... keine Ahnung warum. Hier ein paar Fotos vom Herstellungsprozess der Knöpfe: Mittlerweile war es schon fast Feierabend, aber wir wollten noch die Knöpfe einziehen. Man hätte hier die exakte Position der Knöpfe anzeichnen können, aber machten es Beat-Style: Einfach mit der grossen Nadel mittig durch die Löcher in der Holzplatte senkrecht nach unten stechen und dann durch den Schaumstoff und das Kunstleder durch. Dann den aufgefädelten Knopf durch die Öse ziehen und den Faden mit der Nadel zurückziehen. Danach - und das war wieder schwierig - mit maximaler Zugkraft an den Fäden ziehen und am Holz festtackern. Auch hier musste mir Beat helfen, da meine Knöpfe höher lagen als seine, sprich ich war zu schwach (oder er zu stark ;-)). So war am Ende eines langen Arbeitstages (ich war fix und fertig am Abend) die Holzkiste von aussen fertig bezogen. Jetzt fehlt noch die innere Abdeckung des Deckels und eventuell noch eine Innenauskleidung. Zuerst kommen jetzt aber die dringend benötigten Ferien, in denen ich mit Eva nach Schottland reise und danach sehen wir weiter... Liebe Grüsse :-)
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May 2023
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